Dieser Text ist ein Beitrag zur Blogparade „FAIR statt fies“. Diese Blogparade hat gewissermaßen schon Tradition und findet immer dann statt, wenn Cesar Millan in Deutschland, Österreich und der Schweiz tourt.

 

Gemeinsam mit der Initiative für gewaltfreies Hundetraining hat Sunny Bennett sie 2017 ins Leben gerufen, genauso wie die Aktion Tausche Ticket gegen Training, bei der man bei teilnehmden Hundetrainern sein TV-Trainer-Ticket gegen ein GRATIS-Hundetraining eintauschen kann.

Vom 16.10. – 19.11.2019 erscheint jeden Tag ein Blogartikel über modernes und faires Hundetraining. Diese Aktion ist eine Gemeinschaftsaktion der deutschsprachigen Hundeszene. Es ist einfach der Hammer, wie viele Hundetrainer und Hundetrainerinnen dieses Thema verbindet und ich freue mich als Hundecoach dabei zu sein. Hier kommt mein Beitrag über den „Cesar Millan Effekt“:

 

Als die Serie „Der Hundeflüsterer – Cesar Millan“ im deutschen Fernsehen zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, konnte man im Park oder auf der Hundewiese schnell erkennen, wer vor dem Gassi noch eine Folge geschaut hatte. Überall zischende und an der Leine ruckende Hundehalter, die versuchten, ihrem Vorbild näher zu kommen. Im Hundetraining wurden damals die neuesten Folgen besprochen. Hundetrainer suchten anschließend den Grund für Konflikte in der Mensch-Hund-Beziehung wie Millan in den unterschiedlichen Energieleveln von Hund und Mensch.

Woran du den „Cesar Millan Effekt“ erkennst

Der „Cesar-Millan-Effekt“ ist wie ein ansteckendes Virus. Er machte weder vor Hundehaltern, noch vor Hundetrainern Halt. Dass Menschen davon betroffen sind, erkennst du daran, dass sie einer bestimmten Person, einem sogenannten Hundeflüsterer oder einer Hundeflüsterin, wie Jünger ergeben sind. Sie sind so sehr begeistert von seiner Methode, dass sie nach seinen Regeln leben wollen, ihm nacheifern und ihn kopieren. Er wurde nach Cesar Millan benannt, weil dieser ein bekanntes Beispiel dafür ist. Bis heute füllt Cesar ganze Stadien mit seinen Anhängern. Doch es gibt auch andere, weniger bekannte, z. B. Maike Maja Nowak, Martin Rütter, Uwe Friedrich, usw. Manchmal ist es auch der Hundeflüsterer um die Ecke, den wir quasi vergöttern.

Die richtige Methode, um Hunde zu führen, …

Der Hype um Hundeflüsterer baut auf der Annahme, es gäbe eine richtige Methode, um Hunde zu führen. Doch Hunde sind keine Maschinen für die es eine bestimmte Anleitung gibt. Geht ein Teil am Auto kaputt, dann analysiert man die Fehlfunktion und repariert es. Bei Autoproblemen mag es vielleicht richtige Lösungswege geben. Bei Hundeproblemen gibt es sie nicht. Dennoch suchen wir danach, weil das gewohnte Denkmuster unbewusst wirkt.

… gibt es nicht.

Die andere Seite des „Cesar Millan Effekts“ ist die, dass Menschen, die so viel Erfolg haben wie Cesar Millan, schließlich selbst glauben, dass ihre Methode die einzig wahre ist. Doch „Methode“ bedeutet „Erkenntnisweg“. Jede Methode, um Hundeprobleme zu lösen, ist so einzigartig wie der Mensch, der diesen Weg gegangen ist. Indem man seine Methode als allgemeingültiges Konzept verkauft, verkauft man sich selbst.

Wer seine Methode verkauft, verkauft sich selbst.

Das beste Beispiel dafür sind die Halsbänder, die über Cesar Millans Shop verkauft werden. Sie sollen den Hals des Hundes schonen und gleichzeitig den Leinenruck an der richtigen Stelle ermöglichen. „Cesars Way“ wird mit diesem Produkt ad absurdum geführt. Durch den Kauf eines solchen Halsbands wirst du weder zum Hundeflüsterer noch deine Hundeprobleme nachhaltig lösen. Dennoch denken das viele Menschen und Cesar glaubt vielleicht, er könne damit seine Methode vermitteln.

Unsere Hunde nehmen uns dieses Theater nicht ab

Wir Menschen sind empfänglich für einfache Lösungen, für Menschen, die uns ein Hilfsmittel geben und so tun, als hätten sie den richtigen Weg gefunden, Hunde zu führen. Wir wollen nur zu gerne glauben, dass eine bestimmte Methode all unsere Hundeprobleme lösen kann. Doch damit lügen wir uns selbst in die Tasche. Erkenntniswege sind nie zu Ende. Man geht sie ein Leben lang. Selbst die, die wir Hundeflüsterer nennen, sind noch unterwegs. Es gibt noch so viel über Hunde zu lernen.

Schluss mit dem Methodenkrieg. Mach es auf deine Art!

Hundeflüsterer können eine Inspiration sein. Doch wenn wir versuchen sie kopieren, wird es fies. Unsere Hunde nehmen es uns sowieso nicht ab. Sie folgen uns, wenn wir wissen, was wir fühlen, denken, wollen und wenn wir es nicht wissen, motivieren sie uns, es herauszufinden. Cesars Way ist Cesars Way und nicht eins zu eins übertragbar. Um Hundeprobleme tiefgehend und nachhaltig zu lösen, müssen wir verstehen, dass es um uns selbst geht und darum, unsere Hunde authentisch zu führen.

Deine Methode bist du.

Es bringt daher nichts, sich über die richtigen Erziehungs- und Ausbildungsmethoden zu streiten. Modernes und faires Hundetraining bedeutet vielmehr, ein Bewusstsein für den „Cesar Millan Effekt“ zu entwickeln und wie er im Hundetraining wirkt. Dann erkennen wir auch, dass es vielfältige Methoden gibt, Hunde zu führen – so viele wie es Menschen gibt.

 

Wo ist dir der „Cesar Millan Effekt“ schon begegnet?

Dieses Jahr hat Karin Immler zur Blogparade FAIR statt fies aufgerufen. Ihr Startpost heißt: Freundlichkeit tut gut. Sie hat auf ihrer Website auch eine Übersicht erstellt, auf der alle Artikel nach ihrem Erscheinen verlinkt sind. Hier geht’s zur Übersicht