Vor ein paar Tagen habe ich auf meinem Spaziergang einen Nachbarn getroffen. Er war offensichtlich mit einer Welpengruppe einer Hundeschule unterwegs und an seiner Leine hing ein „neuer“ Hund. Ich dachte gleich: „Aha, ein Corona-Welpe!“ und sprach ihn kurzerhand an, wie er auf den Hund gekommen sei. Er erzählte von seiner alten Hündin Polly, die Cosmo, mein Hund im Übrigen sehr mochte. Sie sei vor Weihnachten an einem Milztumor gestorben. Wie traurig.

Schon wieder ein Corona-Welpe …

Am Jahresanfang hatte er einen Züchter ausfindig machen können und großes Glück gehabt, dass er noch einen Welpen genau dieser seltenen Rasse hatte ergattern können. Er sei viele Kilometer gefahren, um mit seiner Tochter zusammen den Hund abzuholen, berichtete der frischgebackene Hundepapa stolz und überglücklich.

Eine Lovestory

Die Familie, so sagte er, freue sich, dass wieder ein Hund eingezogen sei. Während des Lockdowns, berichtete er weiter, wäre der Verlust von Polly doppelt schwer. Alle seien sie zu Hause, nur Polly fehle ihnen eben, jeden Tag. Jetzt haben seine Kinder, seine Frau und er jedenfalls ausreichend viel Zeit, sich um den „Neuen“ zu kümmern, endlich ist wieder ein Hund im Haus.

Ein Hund aus einer verantwortungsvollen Quelle

Nicht jede/r hat so ein Glück wie diese Familie. Aktuell ist die Nachfrage nach Hunden – egal ob Welpe oder ein erwachsener Hund – hoch. Einen Hund aus verantwortungsvollen Quellen zu bekommen, gestaltet sich schwierig. Das heißt aber auch, dass viele Hunde während der Corona-Pandemie eine Familie finden.  Corona lehrt uns, dass Hunde nicht unbegrenzte Ware sind, die man sich jederzeit kaufen kann. Hunde sind ein Geschenk und manchmal muss man sich gedulden, bis man den passenden Partner mit der kalten Schnauze findet.

Hunde sind keine Ware. Sie sind ein Geschenk!

Dass Hundeschulen teilweise geschlossen haben, kann auch sein Gutes haben. Zwar warnen so manche Hundetrainer*innen, dass Corona-Welpen schlecht sozialisiert werden und sich Beißvorfälle häufen könnten. Doch es könnte auch ganz anders sein. Menschen haben nun die Zeit, den Hund erstmal kennenzulernen. Der Druck fällt weg, sich sofort bei zig Hundeschulkursen anzumelden und dem Hund ein Auslastungsprogramm bieten zu müssen. Vielleicht sind die Corona-Welpen als erwachsene Hunde viel „gechillter“ als andere.

Der Hund ist ein Zeichen dafür, was uns wirklich wichtig ist.

Die Corona-Zeit ist eine Zeit, in der sich viele Menschen bewusstwerden, was ihnen im Leben wichtig ist und der Hund gehört auch dazu. Ich denke nicht, dass sich diese Prioritäten wieder so radikal ändern, wie es Tierschützer*innen befürchten. Vermutlich werden wir nach Corona weiterhin mehr von zu Hause arbeiten als davor. Wenn der Hund an ein oder zwei Tagen ein/e Dogwalker*in oder eine Hundebetreuung braucht, dann entstehen womöglich sogar neue Jobs in der Hundebranche.

Wie wird Corona die Hundewelt positiv verändern?

Schade, dass man darüber wenig auf Facebook liest. Schade, dass Hundehalter*innen, Tierschützer*innen und Hundetrainer*innen vor lauter Sorge davor, was alles Schlimmes passieren könnte, vergessen, welche Chance diese besondere Zeit für die Mensch-Hund-Beziehung bietet.

Eine Chance für die Mensch-Hund-Beziehung

Ich kenne gruselige Berichte von sogenannten Hobbyzüchtern, die Hündin und Welpen nur notdürftig versorgen, von Vermehrern, die kranke Hunde „produzieren“ und von beschlagnahmten Welpen aus illegalem Welpenhandel zur genüge und ich habe es ehrlich satt, wie sich die Hundewelt an diesen Skandalen echauffiert. Die Polemik scheint mir ein Teil des Problems zu sein. Denn wenn man eine Weile in der Hundewelt unterwegs ist und aufmerksam zuhört, weiß man doch längst, dass gerade im Tierschutz und im Bereich des Hundetraining beinahe jede und jeder mindestens einen Hund aus fraglicher Quelle hatte oder hat.

Wenn sich etwas für die Hunde verbessern soll, …

Die Bilder in den Medien sind heftig und ich kann verstehen, wie sich dadurch der Blick auf die Mensch-Hund-Beziehung verengt und man nur noch das Schlechte in den Menschen sieht, die Fehler und Dummheiten, die sie allenthalben machen. Wenn sich etwas für die Hunde verbessern soll, dann sollten wir die Situation noch aus anderen Perspektiven betrachten. Schließlich sind es gerade die Fehler und Dummheiten, aus denen wir am meisten lernen. Ohne unsere Fehler, ohne die Chaoshunde, wären wir doch nicht der Mensch, der wir heute sind. Deshalb mache ich mich auf die Suche nach den anderen Geschichten, den leisen, den schönen, den echten.

dann müssen wir die echten Geschichten erzählen!

Mich interessiert, warum Menschen sich gerade jetzt ihren Hund geholt haben, welchen Weg sie dafür gegangen sind, wie sie ihre Herausforderungen mit ihrem Hund in diesen Corona-Zeiten meistern. Es gibt bestimmt noch mehr „Lovestorys“, wie die in meiner Hundebegegnung. Wir brauchen diese Geschichten, denn nur durch sie können wir uns selbst verzeihen und (wieder) lernen, anderen Menschen einen verantwortungsvollen und liebevollen Umgang mit ihren Hunden zuzutrauen.

Deine Hund – Deine Geschichte

Wenn du einen Corona-Welpen kennst, dann erzähl mir davon, was und wie es gut gegangen ist, wie gerade der Lockdown, Homeoffice, usw. dazu geführt haben, dass du oder jemand, den du kennst, mit seinem Hund glücklich wurde.

Ich freue mich auf deine Geschichte!

Dein Hund –
Deine Geschichte

Storyhealing