Am Sonntag, 24.09.2020 war ich mit ein paar Hundefreund*innen im Kinofilm DIE RÜDEN in Freiburg im Harmonie-Kino. Bereits im Dezember hatte ich den Trailer auf Facebook gesehen und war schon sehr gespannt auf den Film. Als mich Sabrina auf Facebook darauf aufmerksam machte, dass er am Sonntag um 12.45 Uhr im Harmonie-Kino läuft, musste ich daher nicht lange überlegen und verabredete mich spontan noch mit Helena und ihrem Mann, auch wenn die Uhrzeit schon etwas ungewöhnlich war.

Als ich ankam stand Sabrina schon vor dem Eingang und wir unterhielten uns darüber, warum wir uns für den Film interessierten und welche Erwartungen wir hatten. Ich war ehrlich gesagt skeptisch, wie das Thema Männliche Gewalt umgesetzt wurde. Mir kamen die Bilder im Trailer schon sehr plakativ und stereotyp vor. Die Frau als Sozialarbeiterin bzw. Therapeutin, die Empathie und Gefühl verkörpert und die die Verbindung zu den Hunden ist. Die aggressiven Männer, Gewaltverbrecher, gestählte Körper, dunkelhäutig mit Migrationshintergrund oder weiß mit glatt rasiertem Schädel und sehr „deutsch“. Die gefährlichen Hunde: ein Pitt Bull Terrier, ein Schäferhund und ein Mix. Welche Überraschungen wird der Film bereithalten?, fragte ich mich.

Dann kam Sabrinas Assistentin und auch Helena und ihr Mann gesellten sich zu uns dazu. Wir versorgten uns mit Getränken und Popkorn. Dann war es auch schon Zeit, in den Kinosaal zu gehen. Aufgrund des Hygienekonzepts während der Corona-Pandemie waren wir fast allein. Außer uns waren nur noch zwei Paare im Raum. Wir saßen auch nicht weit voneinander entfernt und konnten uns während des Films hören. Es war wirklich ein Spaß, die Reaktionen der anderen mitzubekommen.

Gleich am Anfang fragte ich mich, ob wir im richtigen Film wären, denn die erste Einstellung war eine weite Landschaft, im Hintergrund ein paar Berge. Das hatte ich nicht erwartet und die anderen ebenfalls nicht. Wir mussten herzlich lachen, weil wir denselben Gedanken hatten, nämlich dass gleich anstatt DIE RÜDEN der Road-Movie durch Russland startet. So sah es jedenfalls aus. Doch kurz darauf wurden wir still, der Film nahm uns gefangen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wir tauchten ein in die ersten Bilder, sehr ästhetische Großaufnamen und die Geräusche eines schlafenden Hundes, Wassertropfen, Pfotengetrippel, Zwingeraufnahmen und wurden über sie mitgenommen in die Kulisse des Filmes, in eine bunkerähnliche Festung aus rohem Beton. Helena wandte sich über den Sitz hinweg begeistert an mich: Der Film gefällt mir jetzt schon! Etwa hundert Minuten später traten wir aus dem Kino heraus ins helle Sonnenlicht und ließen die düstere Szenerie hinter uns. Es war schließlich mitten am Mittag, kurz vor 15 Uhr. Unser Fazit: Dieser Film ist wirklich empfehlenswert!

Hier noch unsere Stimmen zum Film DIE RÜDEN:

Helena: „Ich fand, es war wie ein Theaterstück anzusehen, mit den Vorteilen, die ein Film und eine Kamera bieten, dass man alles viel intensiver zeigen kann. Mir hat der ungeschönte Blick auf die Hunde gefallen. Das war so gar nicht romantisch. Das Ende fand ich im ersten Moment schrecklich. Denn der Film bietet keine Versöhnung, keine Auflösung, man geht mitten im Streit. Aber so ist es doch. Das ist genau das Problem, um das es geht und das wir als Gesellschaft nicht lösen können. Wir sperren diese Männer für fünf oder länger Jahre weg – die Hunde für immer – und dann kommen sie raus und es geht weiter. DIE RÜDEN ist ein sehr ästethischer Film. Die Kamerafrau hat ein gutes Auge für Momentaufnahmen und emotionale Wechsel, es steckt unheimlich viel Aussagekraft darin mit zum Teil nur sehr wenigen Worten. Absolut empfehlenswert. Kauf ich mir sofort auf DVD!“

Sabrina: „Ein faszinierender Film, der zum Nachdenken und in sich gehen anregt! Die Charaktere der Straftäter, der Hunde, der Sozialarbeiterin, der Gefängnispsychologin sind beeindruckend. Man fragst sich: Was ist gefährlich? Was bedeutet Aggressivität? Für mich wurde die Ähnlichkeit von Menschen und Hunden so deutlich. Ängste, Unsicherheiten, Lebensmüdigkeit, Kampfgeist, das Bedürfnis nach Ruhe und Freiheit. In diesem Film geht es nicht um Hundetraining und auch nicht um Resozialisierung. Es geht viel tiefer. Insbesondere die faszinierenden Bilder, die Blicke aller beteiligten Charaktere und die wenigen , aber sehr treffenden Fragen und das Verhalten der Sozialarbeiterin führen in die Tiefe unseres Ichs, sowohl ins Licht, als auch in die Finsternis.“

Anna: „Das Highlight und die größte Überraschung für mich, waren die sensiblen Interventionen der Sozialpädagogin Lu (Nadin Matthews). Die Übungen, die sie mit den vier Männern macht, mögen Laien banal und einfach erscheinen, aber wer selbst einmal ein Soziales Training, z. B. ein Führungstraining oder eine systemische Aufstellung gemacht hat, der weiß, wie herausfordernd es besonders für die Teilnehmenden sein kann. Es ist sehr viel Feingefühl auf Seiten des Coachs notwendig, damit Menschen sich öffnen. Für mich sind genau diese Prozesse spannend und ich war total positiv überrascht, wie einfühlsam zum Thema Aggression und Gewalt gearbeitet wurde – mit den Hunden und mit den Menschen. Im Nachhinein habe ich gelesen, dass die Geschichte zwar fiktional war, der Film aber dokumentarisch gefilmt wurde. Die Szenen sind also im Prozess entstanden. Das gibt ihnen eine diese große Echtheit und ich fand genau das herausragend. Ich werde mir den Film also noch öfter ansehen.“

Der Film beschäftigt uns jedenfalls weiter. Zuletzt haben wir über aggressive Hündinnen gesprochen und über die Unterschiede von männlicher und weiblicher Gewalt. Vielleicht ist ja irgendwann eine Fortsetzung geplant: DIE HÜNDINNEN. Es gäbe noch so viel darüber zu schreiben, aber wir wollen an dieser Stelle auch nicht zu viel verraten. Mach dir selbst ein Bild und geh ins Kino!

Mehr Infos zum Film und die aktuelle Kinoliste gibt es auf www.dierueden-derfilm.de und auf der Website des Verleihs: www.realfictionfilme.de

Vielen Dank an das Team von DIE RÜDEN, dass ich das Beitragsbild verwenden durfte.
Fotocredits: Tom Trambow

Hast du den Film bereits gesehen? Was denkst du darüber? Ich freue mich über deinen Kommentar!