Mein Name ist Franziska Schneider von Das Lieblingsrudel. Vielleicht kennst du mich bereits aus Annas Podcast Träume leben – Der Hund als Berufung (Folge 33). In diesem Gastbeitrag erzähle ich dir von meiner Cane Corso Hündin Freya und wie sie zu ihrem etwas ungewöhnlichen Namen „Püppi“ gekommen ist.

Anna hatte mich nämlich zu ihrem Zoom-Workshop „Dein Hund – Deine Geschichte“ mit dem spannenden Thema „Nomen es Omen“ eingeladen. Es ging darin um die Frage, was der Name unseres Hundes bedeutet und was er über uns selbst aussagt.

Welchen meiner beiden Hunde wähle ich für den Workshop?

Daraufhin habe ich überlegt, welchem meiner Hunde die Ehre zuteil werden sollte, namenstechnisch im Workshop analysiert zu werden. Da unser Rüde Murdoch als Welpe zu uns kam, haben wir seinen Namen selbst ausgesucht. Für uns hat er zwei Bedeutungen: einmal aus der schottischen Sagenwelt ist Murdoch der Beschützer der Meere (passt, denn er ist eine Wasserratte) und gleichzeitig ist er auch der Verrückte vom A-Team. Wenn wir ihn rufen, sind es meist Abwandlungen seines richtigen Namens, wie Murdipops, Murdrops oder Murdster.

Mein Cane Corso Mädchen Freya

Doch bei Püppi ist es ein bisschen anders. Sie kam ja als Second Hand Hund zu uns und hieß ursprünglich Freia, wie die nordische Göttin der Liebe und des Krieges. Die Vorbesitzer sprachen den Namen sehr deutsch aus, was wir umgehend in die englische Aussprache „Freya“ änderten. Uns gefiel das harte Deutsch einfach nicht und da das Lieblingsherrchen Schotte ist, wussten wir, dass ohnehin nur die Hälfte unserer Freunde und Familie den Namen „richtig“ aussprechen konnte.

Die Vorbesitzerin kam mit dem Hund nicht mehr zurecht.

Freya kam im zarten pubertären Alter von einem Jahr zu uns, weil die Vorbesitzerin sagte, dass sie mit ihr nicht mehr zurecht käme und ihr nicht gerecht werden könne. Der Ruf des Cane Corso als Listen- bzw. Kampfhund eilte ihr schon voraus und ich war gegenüber Freunden und Familie oft in Erklärungsnot, warum gerade so ein Hund bei uns einziehen sollte. Ich war mir der Verantwortung bewusst, wollte die Herausforderung aber gerne annehmen. Ich weiß, dass es oft am Halter liegt, wie ein Hund sich entwickelt und natürlich hatten wir das Mädchen auch schon kennen gelernt, bevor wir die Entscheidung trafen, sie zu uns zu holen. Ich hatte also ein gutes Gefühl bei ihr und mit Murdoch verstand sie sich ohnehin blendend.

Ich musste ihr oft meinen Standpunkt klar machen.

Das erste halbe Jahr mit Freya war größtenteils dadurch geprägt, ihr meinen Standpunkt klar zu machen und zu versichern, dass existierende Regeln in unserem Haushalt nur dann über Bord geworfen werden, wenn einer der Menschen es entscheidet. Nicht selten standen wir uns gegenüber und testeten, wer von uns den größeren Sturkopf und die meiste Geduld hat. Nur selten kam es zu echten Freundschaftsbeweisen, wenn sie neben mir saß und mich anschaute. Ich erinnere mich nur an die erste kleine Geste ihrer Dankbarkeit: Ich saß auf dem Boden und kraulte Murdoch, der neben mir lag. Freya kam auf meine andere Seite, setzte sich neben mich und rammte mir ihren Dickschädel an den Kopf. Dann saßen wir seitlich Kopf an Kopf für ca. eine Minute nebeneinander und genossen die Verbindung. Meine Kopfschmerzen ignorierte ich in diesem Augenblick.

Ihr seltener Freundschaftsbeweis führte bei mir zu Kopfschmerzen.

Mit der Zeit wurde Freya auch gegenüber Fremden freundlicher. Besonders mit Männern hatte sie lange ein kleines Problem und war unsicher, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Da ich mich damals schon viel für die Körpersprache von Hunden interessiert habe, war ich in solchen Momenten in der Lage, ihre Unsicherheit zu erkennen und die Situation zu regeln, indem ich ihr die Verantwortung abnahm. Das hat viel dazu beigetragen, dass wir heute eine sehr respekt- und liebevolle Verbindung zueinander haben.

In der Anfangszeit ging hin und wieder etwas zu Bruch.

Ich neige dazu, meinen Hunden situationsbedingte Spitznamen zu geben und da dieses pubertierende Molosser-Mädchen manchmal sehr bollerig war und ihre Körpermaße noch nicht so richtig einschätzen konnte, ging am Anfang hin und wieder was zu Bruch. Sei es der Beistelltisch, von dem mit einigen Schwanzbewegungen mit einem Schlag alles abgeräumt war, oder Blumentöpfe im Garten, die von ihr umgerammt wurden, weil sie nicht rechtzeitig bremsen konnte. Mit ihrem ungelenken Verhalten trieb sie mich oft in den Wahnsinn und bekam daher relativ schnell den Namen „Trümmer-Püppi“.

Wir nannten das pubertierende Molosser-Mädchen „Trümmer-Püppi“

Das wiederum fand ein Freund von uns so witzig, dass er immer öfter begeistert „Püppi“ rief und sich hinterher fast tot lachte. Zu der Zeit begann ich, in den rar gesähten Momenten, in denen ich sie abgöttisch liebte, „mein Püppchen“ zu ihr zu sagen. Denn auf der einen Seite war sie bollerig, zickig und manchmal nicht ganz einfach zu händeln, auf der anderen Seite bestand schon immer eine sehr innige Verbindung zwischen uns beiden. Sie ist einfach mein Seelenhund, das wusste ich auch damals schon. Sie war nur nicht immer in der Lage, ihre Liebe zu zeigen.

Ich gewann ihr Vertrauen vermutlich deshalb, weil ich einfach sturer bin.

Es dauerte eine Weile und ich musste oft beweisen, dass ich es wert bin, ihr Vertrauen zu bekommen. In dieser Zeit habe ich gelernt, was es heißt, eine gute Rudelchefin zu sein. Denn körperlich hatte ich ihr nicht viel entgegen zu setzen, wir mussten Dinge also auf einer anderen Ebene ausdiskutieren. Oft gewann ich nur, weil ich einfach sturer bin als sie. Auf der anderen Seite weiß ich aber heute auch, dass nicht jedes Kommando sinnvoll ist und durchgesetzt werden muss. Ich habe immer versucht, auf Augenhöhe mit ihr zu kommunizieren, sie ernst zu nehmen und ihr die Freiheit gegeben, bestimmte Entscheidungen auch selbst zu treffen. So habe ich es geschafft, dass Püppi eigentlich immer zuerst mit mir Rücksprache hält und meine Sicht der Dinge akzeptiert.

Ein Titel für unsere Geschichte

Am Ende des Workshops „Dein Hund – Deine Geschichte“ sollten wir einen (neuen) Titel für unsere Geschichte finden. „Das zarte Bollwerk in Fell-Dur“ war die Überschrift, die mir sofort in den Sinn kam. Ich weiß auch nicht, aus welcher Ecke meines Gehirns ich das gegraben habe.

Im Prinzip beschreibt das aber schon sehr gut, was Freyas Charakter aus macht. Nach außen wirkt sie auf einige Leute bedrohlich, im Grunde ist sie aber einfach nur liebenswert. Trotzdem kann sie es nicht lassen! Einige Macken und Verhaltensweisen sind uns erhalten geblieben. So zum Beispiel das gelegentliche Austesten, ob mein Sturkopf immer noch so hart ist. Das zeigt sie allerdings nur bei uns im Rudel. Bei Fremden ist sie sehr höflich oder zurückhaltend, aber nicht mehr knurrend und vermeintlich aggressiv.

„Fell-Dur“ kam wohl dadaurch, dass sie unglaublich viel Fell hat – super weich und kuschelig. Erst dachte ich an „Moll“, aber diese Tonart scheint einfach nicht mehr auf sie zu passen. Sie ist eindeutig ein sehr fröhlicher Hund geworden.

Was ich im Workshop „Dein Hund – Deine Geschichte“ gelernt habe

Ich habe, besonders durch das Feedback der anderen Teilnehmerinnen, erkannt, was für einen großartigen Wandel Püppi erlebt hat. Vom unsicheren Teenager, der in seinem vorherigen Rudel viel allein gelassen wurde, zu einem gestandenen Cane Corso Mädchen, das ihren festen Platz in meinem Lieblingsrudel hat und jetzt nicht mehr die Harte spielen muss. Es gibt kaum noch Situationen, in denen sie unsicher ist oder vermeintlich aggressiv. Sollte das doch mal vorkommen, ist sie sofort an meiner Seite. Denn sie weiß: Gemeinsam kriegen wir die Situation unter Kontrolle. Ich bin stolz darauf, dass sie mir so stark vertrauen kann. Und natürlich beruht das auf Gegenseitigkeit.

Püppis Geschichte im Video

Auf dem Youtube Kanal von Das Lieblingsrudel spielte Freya schon öfter die Hauptrolle. Deshalb gibt es jetzt auch ein Video dazu, wie sie zu ihrem Namen kam. Schau doch mal rein und erfahre noch weitere Details unserer Geschichte.

Workshop:
Dein Hund –
Deine Geschichte

Fokus: Storyhealing