Vor über einem Jahr habe ich ein Video der BBC über The BIG Fix Uganda gesehen und es hat mich zu Tränen gerührt. Die Organisation, die von Sarah Schmidt gegründet wurde, unterhält die einzige Tierklinik in Norduganda. Außerdem verantwortet sie das Comfort Dog Project.

Die heilende Kraft der Mensch-Hund-Bindung …

Der Norden Ugandas ist eine der ärmsten Regionen der Welt. Die Menschen und Tiere dort sind vom Krieg schwer gezeichnet. Das Comfort Dog Project bringt gerettete Hunde mit Kriegsüberlebenden zusammen, die unter Traumata leiden – insbesondere auch ehemalige Kindersoldat*innen.

… hilft Kriegsüberlebenden bei der psychosozialen Rehabilitation.

Die Projektteilnehmer*innen versprechen, sich ein Leben lang um ihren Hund zu kümmern. Sie durchlaufen ein Training und werden schließlich zu Botschafter*innen für die heilende Kraft der Mensch-Hund-Bindung. Sie gehen in die Dörfer und in Schulen, um darüber aufzuklären, wie wichtig ein freundlicher Umgang mit den Tieren ist und wie man mit positiver Verstärkung im Hundetraining arbeitet.

Rescue Dogs als „Seelentröster“

Comfort Dog heißt „Trosthund“ oder vielleicht etwas freier übersetzt „Seelentröster“. Die Hunde trösten die Menschen, geben ihnen wieder Kraft und einen Sinn im Leben und die Menschen revanchieren sich, indem sie sich für die Tiere stark machen.

Tierschutz, der die Menschen vor Ort mit einbezieht

The Comfort Dog Project hat mich sofort begeistert, weil es ganzheitlich angelegt ist. Es ist kein reines Tierschutzprojekt, sondern ein gesellschaftliches. Es verbindet die Menschen vor Ort wieder mit den Tieren vor Ort. Beide sind durch die Kriegswirren betroffen, verletzt, traumatisiert. Durch das Projekt helfen sich die Opfer gegenseitig und gestalten eine neue, bessere Zukunft für sich selbst, die Hunde und ihre Mitmenschen.

Ein Interview mit Sarah Schmidt, der Initiatorin des Comfort Dog Projects

Sarah Schmidt

Mich hat dieses innovative Projekt nicht losgelassen und ich wollte unbedingt mehr über die Frau erfahren, die es ins Leben rief. Schließlich konnte ich Sarah Schmidt, die Gründerin von Big Fix Uganda und Intitiatorin des Comfort Dog Projects, für ein Interview gewinnen. Das Interview haben wir auf Englisch geführt. Denn Sarah ist Amerikanerin – auch wenn ihr Name deutsch klingt (ihre Mutter kommt aus Berlin). Bei der Übersetzung half mir DeepL (Online Translater).

AM: Liebe Sarah, stellen Sie sich bitte unseren Leser*innen kurz vor.

Sarah Schmidt: Ich bin Sarah Schmidt, Gründerin und derzeitige Präsidentin von BIG FIX Uganda, der Wohltätigkeitsorganisation, die für das Comfort Dog Project verantwortlich ist. Ich bin eine ehemalige Anwältin und habe mich aus meiner Anwaltskanzlei zurückgezogen, damit ich mich voll und ganz der Wohltätigkeitsarbeit widmen kann.

AM: Erzählen Sie ein wenig über Ihren beruflichen Werdegang: Was wollten Sie werden, als Sie ein Kind waren? Wie war Ihre Ausbildung?

Sarah Schmidt: Als ich jung war, wollte ich mich nur um Pferde, Hunde und andere Tiere kümmern. Meinen ersten Job hatte ich mit 11 Jahren als Boxenreinigerin in einem Pferdestall und mit 12 Jahren habe ich als Pferdepflegerin im selben Stall gearbeitet.

Ich dachte daran, Landwirtin zu werden, weil ich Tiere liebte, aber während ich an der Universität meinen Bachelor-Abschluss in Agrarbusiness-Management machte, wurde mir klar, dass meine Liebe zu Tieren und mein Wunsch nach fairer Behandlung von Menschen und gutem Umgang mit der Umwelt nicht mit dem Agrargeschäft vereinbar waren. (Ich wurde schließlich Veganerin.)

Direkt nach der Universität habe ich Jura studiert und 20 Jahre lang als Anwältin gearbeitet. Ich war 12 Jahre lang Lehrbeauftrage an der juristischen Fakultät, die ich besuchte, und unterrichtete 10 Jahre lang Moot Court (Berufungsbeistand) und 2 Jahre lang Tierrecht. Im späteren Teil meiner juristischen Karriere vertrat ich viele Tierorganisationen und gründete 2002 die Wohltätigkeitsorganisation, die heute als The Big Fix bekannt ist.

AM: Welche Rolle haben Hunde in Ihrem Leben gespielt?

Sarah Schmidt: Ich hatte als Kind keine Möglichkeit, einen eigenen Hund zu haben, aber ich habe mir, als ich 10 Jahre alt war, von meinen Ersparnissen ein Pferd mit einem schlechten Bein gekauft.

Ich habe Hunde immer geliebt und habe meinen ersten Hund adoptiert, als ich nach der Universität eine eigene Wohnung hatte.

Das ist Jack, der Hund, in den sich Sarah verliebt hat.

AM: Haben Sie einen Hund? Wenn ja, wie ist sein Name? Hat er einen Job?

Sarah Schmidt: In den USA ist mein derzeitiger Hund Baer, ein 7 Jahre alter Langhaardackel, den ich vor 2 Jahren von Oregon Dachshund Rescue adoptiert habe. Seine Aufgabe ist es, so glücklich wie möglich zu sein.

In Uganda betrachte ich Jack gerne als meinen Hund. Er war das Opfer von Gräueltaten und erlitt schreckliche Verletzungen. Er wurde gerettet, als ich im Oktober 2019 in Uganda war und ich habe mich in ihn verliebt. Ich bat darum, dass er der offizielle Hund des BIG FIX Gästehauses wird, und das ist seine derzeitige Aufgabe: die Menschen zu begrüßen und zu trösten, die zu uns kommen.

AM: Wie sind Sie auf die Idee für das Comfort Dog Project gekommen?

Sarah Schmidt: Ich habe das Projekt in Uganda, das jetzt BIG FIX Uganda heißt, im Jahr 2012 begonnen. Auf meiner dritten Reise in das bemerkenswert schöne Land Uganda erfuhr ich von der verzweifelten Situation für Hunde im Norden, nach 20 Jahren Krieg. Tollwut und andere Krankheiten hatten sich ausgebreitet, es gab ein großes Problem mit der Überpopulation von Hunden, und viele Tiere litten.

Ich wusste, dass ich etwas tun musste, um zu helfen, auch wenn es nicht viel war, also schlossen wir uns mit der Tierarztschule der Makerere Universität zusammen und hielten im August 2012 unsere ersten Feldkliniken in abgelegenen Dörfern in Norduganda ab.

Eine Feldtierklinik im Norden Ugandas

Hunderte von Menschen nahmen große Entfernungen auf sich, um ihre Hunde zu bringen, und sie waren so dankbar für die Dienste. Im Jahr 2014 entwickelte ich The Comfort Project auf der Grundlage von zwei Einflussfaktoren.

Erstens lehrte Jane Goodall immer, dass man den Tieren nicht helfen kann, ohne den Menschen zu helfen, die unter ihnen leben. Das Volk der Acholi war durch die Kriegserlebnisse so traumatisiert, dass es mit PTBS und Depressionen zu kämpfen hatte und in extremer Armut lebte. Das wirkte sich nicht nur auf ihre persönliche Gesundheit und ihr Wohlbefinden aus, sondern auch auf ihre Fähigkeit, sich gut um ihre Tiere zu kümmern.

Unsere Mission war es, das Leben von Tieren und Menschen zu verbessern und die Bindung zwischen Mensch und Tier zu fördern, aber wie sollte man das an einem Ort tun, an dem die Selbstmordrate so hoch war und die Menschen so sehr unter Traumata litten? 

Francis Oloya

Zweitens traf ich Francis Oloya, einen jungen Mann, der während des Krieges durch eine Bombenexplosion geblendet worden war. Trotzdem hatte er es geschafft, zur Universität zu gehen und Gemeindespsychologe zu werden.

Sein Ziel war es, anderen Überlebenden von Kriegstraumata zu helfen, ihre emotionale Gesundheit und ihr Wohlbefinden wiederzuerlangen. Francis erzählte mir, dass er, als er im Internat war, einen Mitschüler bitten musste, ihn nachts zur Freiluftlatrine zu begleiten, und dass er sich dadurch so abhängig von anderen fühlte. Eines Nachts versuchte er, sich allein nach draußen zu wagen, und zwei Hunde, die in der Nähe der Schule lebten, kamen und führten ihn. Sie taten dies 4 Jahre lang, während er in der High School war.

Diese Hunde haben Francis Vertrauen und Hoffnung gegeben und sie haben ihn getröstet. In unseren anschließenden Gesprächen wurde die Idee für das Comfort Dog Project geboren.

AM: Welche Hürden mussten Sie überwinden? Wie haben Sie das geschafft?

Sarah Schmidt: Die größte Hürde war der Mangel an Ressourcen. Es gibt eine so große Nachfrage nach unserem Projekt, aber es war ein großer Kampf, die Mittel aufzubringen, um es am Laufen zu halten. Zeitweise wusste ich nicht, wie wir es schaffen würden und habe immer wieder Abhebungen von meinem persönlichen Rentenkonto vorgenommen, um Budgetlücken zu schließen.

Im August 2019 strahlte die BBC einen Beitrag über unser Projekt aus, in dem Filda und ihr Comfort Dog Lok Oroma als Teil ihrer Serie „100 Frauen“ vorgestellt wurden.

Die Produzentin machte einen wunderbaren Job und wir erhielten danach mehr Unterstützung, was uns über Wasser gehalten hat. Aber das Geld für das Projekt aufzutreiben, bleibt der größte Stressfaktor und die größte Herausforderung.

AM: Was genau ist das Comfort Dog Project?

Sarah Schmidt: Das CDP ist eine tiergestützte Intervention für Überlebende von Kriegstraumata. Wir bringen gerettete Hunde mit Klient*innen zusammen, die an PTBS leiden, und gemeinsam absolvieren sie ein 20-wöchiges Trainings- und Ausbildungsprogramm.

Das Ziel des Programms ist es, eine starke Bindung zwischen dem/der Betreuer*in und seinem/ihrem Hund aufzubauen. Diese Bindung hilft dem/der Traumaüberlebenden, wieder soziale Bindungen aufzubauen und Geduld und Gelassenheit zu entwickeln. Sie lernen, sich auf die Liebe und den Trost ihres Hundes zu verlassen.

Wir messen den Schweregrad der Symptome vor dem Programm, nach dem Programm und danach jährlich. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die heilende Kraft der Mensch-Hund-Bindung im Rahmen des CDP nachweislich den Schweregrad der PTBS-Symptome bei den Teilnehmern reduziert.

Viele unserer frühen Programmabsolventen sind jetzt symptomfrei. Meine Rolle war es, das Projekt zu entwickeln, und meine Rolle ist es nun, zu überwachen, dass unser Arbeitsplan ausgeführt wird. Das Projekt wird tagtäglich von Francis Okello Oloya geleitet, einem Mitglied unseres Managementteams bei BFU.

AM: Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus? 

Sarah Schmidt: Der Großteil meiner Arbeit betrifft das tägliche Management der Organisation – die enge Zusammenarbeit mit den drei BIG FIX-Mitarbeiter*innen, die unser Managementteam in Gulu sind, Budgetierung und Buchhaltung, Programmentwicklung und -umsetzung, Koordination von Freiwilligen, Social Media, Fundraising, Berichterstattung über Zuschüsse und was sonst noch nötig ist.

AM: Welche Situationen aus der letzten Woche haben Sie berührt und glücklich gemacht?

Sarah Schmidt: Dinge in Uganda zu erledigen, kann eine große Herausforderung sein. Es dauert oft sehr lange, um einfache Ziele zu erreichen. Nach 3 Jahren der Anstrengung habe ich diese Woche endlich ein Foto der richtigen Operationstische für das BIG FIX Hundekrankenhaus erhalten, welches das einzige Tierkrankenhaus in ganz Norduganda ist, einer Region, in der mehr als 7 Millionen Menschen leben.

Das Foto der Tische war wunderschön anzusehen, aber noch schöner als die Tische war das riesige Lächeln im Gesicht von Richard, unserem tierärztlichen Assistenten, der mit den Tischen auf den Fotos posierte. Richards Lächeln strahlte Freude aus. Richard war ein Absolvent unserer ersten Trosthunde-Projektklasse, und wenn man weiß, was er während des Krieges durchgemacht hat, ist es unbezahlbar, ihn heute so fröhlich lächeln zu sehen.

AM: Was sind Ihre Zukunftspläne? Was wünschen Sie sich für sich selbst, für das Projekt, für den Planeten?

Sarah Schmidt: Mein Wunsch ist es, dass BIG FIX sich weiter verbessert und sich unsere Möglichkeiten, den Tieren und Menschen in Norduganda zu helfen, erweitern. Mein Ziel ist, für den Rest meines Lebens Teil dieser Bemühungen zu sein.

Am Ende hoffe ich, dass wir viele Tiere und Menschen, unsere engagierten Mitarbeiter*innen und die Menschen in unserer Gemeinde positiv beeinflusst haben werden. Ich hoffe, dass unsere Bildungsprogramme Bewusstsein schaffen und Herzen öffnen und dass aus den Kindern Erwachsene werden, die eifrige Hüter der Erde, der Tiere und der verletzlichen Menschen sind.

AM: Was ist das Wichtigste, das Sie auf Ihrem Weg mit den Hunden/mit dem Comfort Dog Project gelernt haben?

Wie wertvoll unser zerbrechliches Leben ist, wie heilsam Worte sein können und wie viel Schaden sie anrichten können, dass wir achtsam sein müssen, bevor wir reden, und dass, egal wie schrecklich das Leben manchmal sein mag, es immer einen Grund gibt, daran zu glauben, dass es besser werden kann.

AM: Was würden Sie anderen gerne mit auf den Weg geben?

Hoffnung.

AM: Herzlichen Dank für das Interview! Ihre Antworten waren wirklich sehr inspirierend und ermutigend. Ich wünsche Ihnen alles Gute und dass das Projekt immer mehr Unterstützer*innen findet.

Du kannst, wie Simone Sweerts aus den Niederlanden, als Volunteer im Comfort Dog Project mitarbeiten.

So kannst du The BIG Fix Uganda und das Comfort Dog Project unterstützen:

Du kannst auch helfen, indem du diesen Beitrag teilst und dich für das Programm und seine Mission einsetzt. Vielen Dank für deinen Support!