In diesem Beitrag erfährst du alles Wichtige über systemische Aufstellungen mit Hund, was man darunter versteht und warum sie bei der Lösung von Hundeproblemen hilfreich sein können. Anhand der Fragen einer Hundehalter*in gehen wir die wichtigsten Grundlagen und Begriffe durch.

Systemische Aufstellungen mit Hund: Eine Alternative zum Hundetraining

Mira ist ratlos. Sie hat schon viele Hundetrainer*innen konsultiert und im Hundetraining einiges mit ihrem Hund Basco erarbeitet, aber das Grundproblem bleibt. Basco verfolgt sie auf Schritt und Tritt, ist nervös und kann sich oft nicht selbst beruhigen. Daher vermutet sie, dass sie die Ursache für sein Verhalten sein könnte und es möglicherweise einen unbewussten Konflikt in ihrer Mensch-Hund-Beziehung geben könnte. Eine Bekannte erzählt ihr daraufhin von der Möglichkeit, eine systemische Aufstellung mit Hund zu machen.

Was versteht man unter systemischen Aufstellungen bzw. Strukturaufstellung?

Eine Aufstellung ist eine besondere Form der Visualisierung. Darin macht man z. B. Beziehungen sichtbar, indem man sie mit Figuren oder Personen aufstellt. Die bekannteste Form ist die Familienaufstellung. Es gibt auch noch eine Vielzahl anderer Strukturaufstellungen, z. B. die Zielaufstellung. Diese heißt deshalb Strukturaufstellung, weil eine bestimmte Struktur (Anzahl der Figuren und deren Bedeutungen, in diesem Fall: Ziel, Hindernisse, Ressourcen, Aufgabe, verdeckter Gewinn) schon vorgegeben ist. Eine weitere, kreative Form der Aufstellung, die man auch gut für sich selbst machen kann, ist Die Arbeit mit dem innere Rudel.

Eine kreative Form der Visualisierung: systemische Aufstellungen mit Hund

Im Gegensatz zu einer klassischen Visualisierung auf Papier oder dem Flipchart ist eine Aufstellung nicht statisch, sondern dynamisch. Der oder die Aufsteller*in kann in seinem Bild umhergehen, die Repräsentant*innen befragen und unterschiedliche Perspektiven einnehmen. Ein interessanter Aspekt ist auch, dass die einzelnen Teile miteinander in Beziehung stehen und sich das Bild verändert, sobald der oder die Aufsteller*in einen Teil bewegt.

Die wichtigsten Begriffe der Aufstellungsarbeit

Bei einer systemischen Aufstellung gibt es ein/e Aufstellungsleiter*in, ein/e Aufsteller*in, Repräsentant*innen oder Figuren. Der oder die Aufstellungsleiter*in führt den oder die Aufsteller*in durch den Prozess. Wenn Mira sich für eine Aufstellungsarbeit bei mir entscheiden würde, wäre sie die Aufstellerin und ich die Aufstellungsleiterin.

Systemische Aufstellungen mit Hund online und in Präsenz, mit Repräsentanten oder Figuren

Wir könnten Aufstellungen mit Repräsentant*innen (echten Personen) im Raum, mit Figuren auf dem Aufstellungsbrett, virtuell mit dem Online-Systembrett (siehe Bild rechts) oder auch einfach im Kopf machen.

Wie funktionieren systemische Aufstellungen mit Hund?

Miras Bekannte hatte ihr zu einer Aufstellung mit Hund geraten. Mira fragt sich jetzt natürlich, ob Basco bei der Aufstellung dabei sein muss. Wenn ich eine systemische Aufstellung mit Hund mache, dann muss Basco nicht dabei sein. Den Hund mit in eine systemische Aufstellung hineinzunehmen, ist Missbrauch. Schließlich ist er Teil des Systems und kann sich zudem nicht frei entscheiden. Wir brauchen den echten Hund auch gar nicht. Denn wir arbeiten mit Miras innerem Bild von der Situation. In einer Aufstellung kann Basco bei Bedarf von einem Repräsentanten oder als Figur gestellt werden.

Der Hund ist nicht der „Fokus“.

Mira würde für sich selbst ebenfalls eine Repräsentantin wählen. Diese Repräsentantin nennt man „Fokus“. Das ist die zentrale Figur in der Aufstellung. Da die Aufstellerin außerhalb ihres Bildes steht, kann sie neue Einsichten auf sich selbst und ihre Mensch-Hund-Beziehung gewinnen. In einer Aufstellung dreht sich nicht alles um den Hund oder das Problem. Der „Fokus“ bewegt sich immer Richtung Lösung, z. B. dass Mira einen Beitrag zur Entspannung des Hundes leisten will. Die Bewegung in der Aufstellung geht vom „Fokus“ aus.

Hundeprobleme sind sinnvoll.

Die systemische Theorie geht davon aus, dass Probleme eine wichtige Funktion im System erfüllen. Diese Funktion ist uns häufig nicht bewusst. Daher verzichtet man bei einer systemischen Aufstellung im Vorfeld auf die Suche nach dem Grund für Bascos Verhalten. Um eine Lösung zu finden, muss Mira den Grund für Bascos Verhalten nicht kennen und auch die Aufstellungsleiterin nicht.

Lösungen sind unabhängig vom Hund und vermeintlichen Ursachen.

Die Lösung für Miras Probleme mit Basco können ganz woanders liegen. Vielleicht hat sie gerade Stress im Job oder Ärger mit ihrer Mutter. Dann wäre der Hund nur der sogenannte Symptomträger. Da die Lösung völlig unabhängig vom Hund sein könnte, bringt uns alles Wissen über Hunde an dieser Stelle nicht weiter.

Dein Job als Hundecoach: Strukturgeberin sein.

Wenn ich Aufstellungen leite, mache ich zu Beginn eine Auftragsklärung. Darin besprechen wir das Thema und legen die Aufstellungsart fest. Eine systemische Aufstellung ist immer lösungsorientiert. Mein Job ist es, dem oder der Aufsteller*in zu zeigen, wo sie anfangen und welche Perspektive sie ausprobieren kann. Wenn sie nicht weiter weiß, helfe ich mit lösungsorientierten Fragen. Als Strukturgeberin achte ich darauf, sie nicht zu beeinflussen, damit sie ihren persönlichen Lösungsweg finden kann. Wenn du als Hundecoach Aufstellungen anleiten möchtest, dann empfehle ich dir das Kompakt-Seminar: Systemische Aufstellungen mit Hund.

Psychische Stabilität als Voraussetzung für systemische Aufstellungen mit Hund

Eine systemische Aufstellung funktioniert nicht, wenn man versucht, sich selbst als Familie oder Mensch-Hund-Team aufzustellen. Hier gewinnt man im besten Fall keine neuen Erkenntnisse, im schlimmsten Fall kommt es zur Verschlimmerung. Da mentale Stabilität die Voraussetzung ist, um für sich gute Entscheidungen zu treffen und die eigenen Grenzen zu spüren, ist eine Aufstellung bei psychiatrischen Diagnosen ebenfalls nicht angebracht.

Die Rolle der Repräsentant*innen in systemischen Aufstellungen mit Hund

In einer systemischen Aufstellung hat die Aufstellerin jederzeit die Möglichkeit, einen Schritt zurück zu gehen oder abzubrechen. Für die Repräsentant*innen gilt, dass sie, wenn sie das Thema kennen und eigene „Filme“ ablaufen, ablehnen dürfen. Die Repräsentant*innen dürfen kein Theater spielen, sondern beantworten Fragen der Aufstellerin nur aus der Position bzw. Perspektive, die sie in der Aufstellung einehmen. Am Ende einer Aufstellung achtet die Aufstellungsleiterin darauf, dass sich die Repräsentanten „entrollen“.

Systemische Aufstellungen mit Hund führen zu ungewöhnlichen Lösungen für „Hundeprobleme“

Das Tolle an einer Aufstellung mit Hund ist, dass wir ungewöhnliche Lösungen für Hundeprobleme finden können und das ganz ohne Ursachensuche, Verhaltensbewertungen und Problemanalysen bei Hund und Mensch. Ob Mira sich für die Aufstellung mit Hund entscheiden wird? Was denkst du?

Wenn du Fragen zu systemischen Aufstellungen mit Hund hast, stell sie gerne in den Kommentaren.

Die Arbeit mit dem inneren Rudel

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Für Hundetrainer*innen

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