Wenn ich andere davon erzählen hörte, wie sie auf den Hund gekommen waren, dann war oft die Rede von diesem „Zauber des Anfangs“, diesem magischen Moment, in dem der Hund sich in berührender Weise seinen Menschen ausgesucht hatte und man tief in sich die Gewissheit spürte, dass es passt. Wenn ich meine Geschichte mit meinem Hund früher erzählte, dann hörte sich das wenig zauberhaft an.

Mit dem Kopf durch die Wand

Ich fasste mich dabei recht kurz, weil ich mich für diese Geschichte schämte. Ich machte allen glauben, dass ich mit dem Kopf durch die Wand gegangen und die Entscheidung am Ende des Studiums aus einer fixen Idee heraus entstanden und womöglich ein Fehler war, dass es keinen zauberhaften Moment gab, dafür einen chaotischen Welpen, der sich in die Flexi-Leine verhedderte und dass auf diese Weise überhaupt kein Funke überspringen konnte. Ich glaubte diese Geschichte wirklich und weil ich sie für wahr hielt, wurde ich regelmäßig traurig, wenn ich daran dachte und indem ich sie immer wieder auf die gleiche Weise erzählte, verstärkte sich der Effekt.

Mein Hund – Meine Geschichte

Als ich 2015 die Idee zu meinem Mentalen Training DEIN HUND – DEINE GESCHICHTE hatte, dachte ich nicht im Traum daran, dass mich das Thema auch betreffen könnte und das zeigt, wie unbewusst so mancher Schmerz ist, den wir mit uns herumtragen.

Aus einem spontanen Impuls heraus nahm ich beim 1. Teil „Der Zauber des Anfangs“ selbst aktiv teil. Es kostete mich einiges an Überwindung, vor meinen Kund*innen meine Geschichte zu erzählen, doch was dann kam, veränderte meine Sicht auf mich und meinen Hund grundlegend. Mit den Übungen und durch das stärkenorientierte Feedback der anderen Kursteilnehmenden fand ich heraus: Den Zauber gab es doch! Hier kommt meine echte Hundegeschichte:

Der Wunsch nach einem Hund war schon früh da.

Ich war drei Jahre alt, als wir unseren Familienhund wegen Umzugs in die Stadt abgeben mussten. Er lebte danach bei meiner Oma. Sie hatte ein großes Haus mit einem schönen Garten. Hier ging es ihm gut. Wenn wir dort zu Besuch waren, kuschelte ich mich am liebsten zu ihm ins Körbchen. Er begleitete mich sechzehn Jahre und ich habe viele schöne Erinnerungen an ihn.

Der Wunsch nach einem Hund hat mich nie losgelassen. Vor kurzem fand ich sogar noch einen Beleg dafür: ein Interview aus dem Jahr 2002, das ich während meines FSJs der Schülerzeitung gegeben habe (ich war an einer Schule tätig). Als ich darin nach meinen Wünschen für die Zukunft gefragt werde, gebe ich an, dass ich mir irgendwann einen Hund holen werde.

Ich hatte die Wahl.

Meine Freundinnen und Kolleginnen wussten von meinem Wunsch und so wurde mir immer wieder mal ein Hund vorgeschlagen. Die Mutter einer Studienkollegin plante einen Wurf mit ihrer Jagdhündin (Gebirgsschweißhund). Nachdem ich mich eingehend mit der Rasse befasst hatte, entschied ich mich dagegen. Danach wurde mir ein „Scheidungshund“, ein Labrador-Schäfer-Mix, angeboten. Die Beschreibung der Hündin klang perfekt. Sie kam einen Tag zur Probe zu uns. Doch der Funke wollte nicht überspringen und ich entschied mich wieder dagegen.

In der Zwischenzeit hatten sich meine Schwiegereltern nach dem Tod ihres alten Hundes einen Welpen aus dem Tierheim geholt. Der Welpe kam aus dem spanischen Tierschutz. Da dachte ich: „Das ist es! Ich möchte einen Welpen aus dem Tierheim.“

Die Entscheidung für einen Hund war reiflich überlegt.

Ich wusste, in einem Jahr würde ich meine Diplomarbeit schreiben und nur noch wenige Seminare belegen müssen. Dann hätte ich viel Zeit, um auch einen Welpen zu versorgen. Im Februar 2008 als das letzte Semester begann, schaute ich im Tierheim auf der Website nach passenden Kandidaten und überredete meinen Mann, dass wir zusammen hinfahren und uns vor Ort ein Bild machen.

Wir schauten uns verschiedene Hunde an und kamen schließlich zu einem Zwinger, in dem zwei Welpen wie wild auf und ab sprangen. Die mussten wir uns noch unbedingt ansehen. Es handelte sich um einen Rüden und eine Hündin. Die Hündin war bereits vergeben. Der Rüde hieß Casper. Wir ließen uns den kleinen „Chaoshund“ für einen Kennenlernspaziergang aushändigen und wunderten uns schon, dass es beinahe zehn Minuten dauerte bis die Tierpflegerin ihn ins Geschirr gepackt hatte.

Das ist der Hund, von dem ich all die Jahre geträumt habe.

Mit einer unhandlichen Flexi-Leine ausgestattet sind wir mit dem kleinen Racker losgelaufen und auf der Wiese vor dem Tierheim hatten wir den ersten „Gordischen Knoten“ zu lösen. Ich wusste: „Das ist genau der Hund, von dem ich all die Jahre geträumt habe.“ Bereits auf dem Heimweg, den wir noch ohne ihn antreten mussten, wusste ich, dass dieser kleine Chaoshund bei uns einziehen würde und von meiner Entscheidung konnte mich auch niemand mehr abbringen.

Diese Hundegeschichte – meine echte Hundegeschichte – erzähle ich wirklich gerne und jedes Mal mit großer Freude. Für mich macht es einen deutlichen Unterschied. Ich kann jetzt sehen, dass ich nicht mit dem Kopf durch die Wand gegangen bin, sondern eine bewusste Entscheidung getroffen habe.

 

Storyhealing

Dein Hund  –
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