„Als ich bei meiner Freundin zu Besuch war, musste ich mit ihr und dem Hund erst eine Runde spazieren gehen, bevor wir zusammen in die Wohnung sind. Das ist doch nicht normal! Man kann doch nicht sein Leben nach dem Hund richten. Ich denke, das muss doch funktionieren!“

Warum mag unser Hund keinen Besuch?

Warum muss der Hund sich benehmen? Warum muss er Besuch mögen? Es gibt Hunde, die freuen sich auf Besuch und sind völlig entspannt. Für andere wiederum ist es eine ungewohnte bis schwierige Situation, wenn jemand (Fremdes) in die Wohnung kommt. Uns geht es doch auch so.

Besuch ist mit Erwartungen an uns selbst verbunden.

Ein Besuch ist meistens mit bestimmten Erwartungen an uns selbst verbunden. Wir sind so erzogen, dafür zu sorgen, dass der andere Mensch sich wohlfühlt. Man räumt für ihn auf und richtet die Wohnung schön her. Natürlich möchte man auch, dass der Hund sich von seiner besten Seite zeigt.

Die Gedanken, die wir uns um den Besuch machen, führen zu Anspannung.

Diese Erwartungen in unserem Kopf, die Gedanken, die wir uns um den Besuch machen, unsere Glaubenssätze über Hunde wirken sich auf unseren Körper aus. Vielleicht spürst du eine gewisse Anspannung im Vorfeld eines Besuchs selbst, wenn du den Besuch magst oder gerade dann. Diese Anspannung ist oft unbewusst. Wir denken, wir wären „normal“, entspannt, gut drauf. Unsere Hunde zeigen uns, wie wir wirklich sind.

Hunde zeigen uns, wie wir wirklich sind.

Mit Hunden zusammenzuleben, bedeutet, dass wir nicht mehr allein sind mit unseren Gefühlen – egal ob mit den positiven oder den negativen. Wir können unseren Stress oder unsere Anspannung nicht mehr hinter einem freundlichen Gesicht verstecken. Sie durchschauen dieses Spiel. Sie sehen, wie wir plötzlich die Sofakissen schütteln und Staub wischen, immer wieder zum Fenster gehen und hinaussehen.

Hunde versuchen die Balance im System herzustellen.

Dabei wollen sie uns nicht bloßstellen und tun das auch nicht, um uns zu schaden. Sie interagieren nur mit uns auf ihre Art – auf Hundeart. Sie versuchen wieder die Balance im System herzustellen, werden hibbelig, bellen (den Besuch an), lassen sich nicht beruhigen oder machen andere komische Sachen. Wenn wir denken: „Das muss jetzt funktionieren!“ und es nicht funktioniert, dann kann es also an uns liegen und wie wir auf die Situation reagieren.

Ein gemeinsamer Spaziergang mit dem Besuch löst die Anspannung.

Ein gemeinsamer Spaziergang, bevor man in die Wohnung geht, ist daher eine gute Idee. Beim Laufen entspannen sich alle. Die Begrüßungssituation, in der sich die Anspannung im Allgemeinen entlädt, ist draußen besser händelbar. Der Hund hat mehr Platz und kann sich frei bewegen. Auch wir Menschen haben Zeit, miteinander warm zu werden. Beim nächsten Mal trefft ihr euch dann vielleicht auch schon direkt in der Wohnung.

Wenn dein Hund nicht funktioniert, ist Selbstfürsorge angebracht.

Wenn deine Freundin dich also um diesen Gefallen bittet, dann hat es weniger etwas damit zu tun, dass sie ihr Leben nach dem Hund richtet oder der Hund hier der Chef ist. Es ist ein Zeichen von Selbstfürsorge und dass sie Verantwortung für sich selbst und den Hund übernimmt, indem sie die Situation nach ihren und den Bedürfnissen des Hundes gestaltet.

 
Wie reagiert dein Hund auf Besuch? Gibt es Unterschiede? Was tust du, um die Situation zu entspannen? Ich freu mich riesig, wenn du deine Erfahrungen hier mit mir teilst!