Meine Name ist Sabrina, ich bin 40 Jahre alt und wohne in Freiburg im Breisgau. Seit meiner Kindheit leide ich unter anderem an Epilepise und bin durch meine verschiedenen Krankheiten auf Pflege angewiesen. Trotzdem habe ich erreicht, dass ich mein Leben weitestgehend selbstbestimmt führen kann. Ein großer Traum von mir war es immer, einen eigenen Hund zu haben und seit eineinhalb Jahren begleitet mich nun schon meine Hündin June. Ich bilde sie selbst zum Epilepsiewarnhund aus.

Die Liste meiner Krankheiten ist lang.

Im Kleinkindalter habe ich eine dissoziative Identitätsstörung entwickelt. Sie ist durch das Aufwachsen in einer Sekte und den damit verbundenen körperlichen, sexuellen und emotionalen Missbrauch entstanden. Dies bedeutet tägliche Amnesien. Zudem kommt es zu Lähmungszuständen ohne Körperspannung, während der ich komplett auf Pflege und Ernährung über eine Magensonde angewiesen bin.

Meine epileptischen Anfälle sind für mich sehr gefährlich.

Abgesehen davon habe ich Epilepsie. Die epileptischen Anfälle sind für mich sehr gefährlich, da ich eine Durchblutungsstörung habe und mein Leben lang Blutverdünner nehmen muss. Wenn ich stürze, kann es zu unkontrollierbaren Blutungen kommen. Vor noch nicht allzu langer Zeit wurde schließlich noch die Lungenerkrankung COPD mit Asthma diagnostiziert. 

Trotzdem will ich selbstbestimmt leben.

All diese Erkrankungen führten dazu, dass ich frühberentet wurde und mir ein umfangreiches Hilfsnetzwerk mit unterschiedlichen Hilfsmitteln und Assistenzkräften aufbauen musste. Die Einweisung in ein Pflegeheim kam für mich nicht in Frage und ich habe mich mit allen Kräften dagegen gewehrt. Ich will nicht nur überleben, ich will selbstbestimmt leben! Heute kann ich so selbstständig wie nur möglich in meinen eigenen vier Wänden leben. 

Jahrelang recherchierte ich zum Thema Assistenzhunde.

Weil in meinem Leben Tiere immer eine große Rolle gespielt haben, interessierte ich mich schon seit einigen Jahren für das Thema Assistenzhunde und habe viel dazu recherchiert. Zuerst einmal wurde ich mit der wirren Gesetzeslage und vielen sehr kontroversen Meinungen und Methoden von Assistenzhundezentren, Hundetrainer*innen und Assistenzhundehalter*innen konfrontiert. Es fühlte sich an, als ob ein Krieg zwischen ihnen toben würde.

Ein Epilepsiewarnhund wird mir mein Leben sehr erleichtern.

Ich hörte mir alles an, hinterfragte und überprüfte die unterschiedlichen Informationen. Mir wurde schnell klar, dass mir ein Epilepsiewarnhund das Leben um einiges erleichtern würde. So stellte ich eine Liste auf mit allem, was ich mir an Hilfeleistungen von einem Hund wünschte.

Welche Charaktereigenschaften soll mein Assistenzhund haben?

Da ich mehr als nur die Epilepsie habe, war es mir, abgesehen von den Hilfeleistungen, sehr wichtig herauszuarbeiten welche Charaktereigenschaften mein Hund haben sollte. Folgende Charaktereigenschaften waren für mich wichtig, damit der Hund mit all den Besonderheiten, die ich mitbringe, gut leben kann und nicht überfordert ist: intelligent, zäh, robust, sensibel, selbstständig, arbeitsfreudig, ausdauernd und große Willenskraft.

Ein Australian Cattle Dog als Assistenzhund

Ich hatte bereits mit zwei Australian Cattle Dogs regelmäßig in meinem Alltag zu tun und so entschied ich mich, mir diese Rasse näher anzuschauen. Es kam mir gar nicht auf das Aussehen an, doch vielen Züchtern ging es nun mal in erster Linie darum. Deshalb arbeitete ich für mich heraus, was mir bei einem Züchter wichtig ist: kein Vermehrer, kein Züchter, der nur auf Ausstellungen geht, keine Zuchtlinien mit Sportjunkies. Ich stellte mich mittlerweile darauf ein, dass es lange dauern würde bis ich meinen Hund finden würde.

Vor- und Nachteile von Ausbildungsarten abwägen

Inzwischen fing ich an über die Spendenplattform betterplace.me Geld für die Ausbildung zu sammeln. Nun da ich wusste, was ich für einen Hund möchte, beleuchtete ich nochmals die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Ausbildungsarten und hinterfragte mich immer wieder, ob mein Wissen und meine Kraft reichen würde, um einem Welpen zu erziehen und ihn zum Assistenzhund auszubilden.

Warum ich meinen Assistenzhund selbst ausbilde

Schlussendlich traf ich aus den folgenden Gründen die Entscheidung meinen Hund selbst auszubilden:

  • Mein Krankheitsbild ist so komplex, dass es unmöglich ist einen Hund in Fremdausbildung auf mich und meinen Alltag vorzubereiten.
  • Ein Epilepsiewarnhund von anderen ausbilden zu lassen ist ein großes Risiko. Die Fähigkeit zu warnen ist entweder angeboren oder der Hund lernt dies bereits im Welpenalter aufgrund einer sehr engen Bindung zur Halterin.
  • Australian Cattle Dogs sind nicht sonderlich gut geeignet zur Fremdausbildung. Man nennt sie nicht umsonst „Schattenhunde“, die einer Person gehorchen und so ziemlich alles für sie tun.
  • Ich habe ein stabiles Hilfsnetzwerk, Hilfsmittel und genug Wissen, einen Hund selbst auszubilden. Außerdem bin ich zäh und in mir steckt jede Menge Kraft.

Die Suche nach einer passenden Hundetrainerin oder einem passendem Hundetrainer verlief zäh.

Ich wusste ganz genau, welche Herausforderungen ein Australian Cattle Dog mit sich bringt. Deshalb wollte ich auch nicht alleine vor mich „hinwurschteln“ und schaute mir frühzeitig unterschiedliche Hundeschulen und Hundetrainer*innen an, ob sie mich parallel zur Selbstausbildung unterstützen könnten. Die Methodenvielfalt war erschlagend und vor allem hat es mich abgeschreckt, wie überzeugt einzelne Hundetrainer von sich und ihrer Methode sind.

Bei einem Besuch einer Züchterin …

Während der Zeit des Spenden Sammelns und der Suche nach einem bzw. einer geeigneten Hundetrainer*in, stand ein Besuch bei einer Australian Cattle Dogs-Züchterin an. Sie hatte gerade Welpen. Mir war wichtig, Züchter*innen zu besuchen, die auch gerade Welpen hatten. Nicht um mir einen auszusuchen, sondern um einen besseren Einblick zu bekommen.

… fand ich überraschend meine Hündin.

Absolut unerwartet fand ich dort meine Hündin. Eigentlich fand sie mich. Ich konnte es nicht fassen. Ich beobachtete die Welpen dort sehr lange. Alle Energielevels waren vorhanden, von stürmischen bis hin zu sehr zurückhaltenden Welpen. June legte sich immer wieder zu mir, ohne mich anzuspringen, ganz ruhig. Sie hatte genau das richtige Energielevel. Ich nahm sie mir genau unter die Lupe, ging ein Stück mit ihr an der Leine. Es passte alles. Eine Woche später begann unser Abenteuer und ich holte sie zu mir.

Unser gemeinsames Abenteuer begann.

Ich war mental auf alle möglichen Szenarien vorbereitet. Schließlich habe ich mich ja eingängig über die Rasse informiert und war mir über mein großes Ziel, diesen zum Epilepsiewarnhund auszubilden, wohl bewusst. Meine To-Do-Liste war lang: Bindung aufbauen, festigen, lernen zu ruhen und nichts zu machen, Grundgehorsam, das Heelen unterbinden, Sozialisierung, usw.

Die Welpenzeit war so schön und getragen von Leichtigkeit.

Im Nachhinein kann ich darüber herzlich lachen. Im Nu war June stubenrein, sie machte nichts kaputt, schlief und ruhte viel, heelte überhaupt gar nicht. Sie kam von Anfang an gut mit anderen Hunden aus. Draußen war sie vom ersten Tag an sofort abrufbar – egal ob ich sie mit ihrem Namen rief oder die Pfeife benutzte. In null Komma nix lernte sie die wichtigsten Grundkommandos: Sitz, Platz, Bleib, Stopp. Sie ließ sich sehr gut begrenzen. 

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Gewöhnung an die belebte Umwelt: Mein Wohngebiet.

Die ersten Wochen erkundeten wir unser Wohngebiet einschließlich der naheliegenden Natur. Sie war ein Landei und ihr waren sehr viele Tiere bereits bekannt, genauso wie Traktoren usw. Also gewöhnte ich sie an die Stadt. Ich übte mit ihr täglich mehrmals für kurze Zeit in der belebten Straße, wo ich auch wohne und wenn sie total relaxt war gingen wir wieder hoch in meine Wohnung.

Wichtige Grundlagen für das Assistenzhundetraining

Dann fing sie an, andere Dinge anzubieten, wie Pfötchen geben und Dinge zu bringen. Das nutzte ich sofort, denn das sind wichtige Grundlagen für das Assistenzhundetraining. Ich hatte einen Trainingsplan aufgestellt. Erziehung, Grundgehorsam, Ruhen und Sozialisierung standen ganz oben. Für die Assistenzleistungen wollte ich mir viel Zeit nehmen und erst später damit anfangen und zunächst die Grundlagen dafür schaffen.

Inzwischen warnt mich mein Hund zehn Minuten vor einem epileptischen Anfall.

June erlebte den ersten Krampfanfall in ihrer ersten Woche bei mir. Einer meiner Assistenten war anwesend. June erschrak sich. Mit Unterstützung des Assistenten kam sie dann zu mir und legte sich einfach neben mir ab. Kurz darauf folgte der zweite Krampfanfall. Sie kam ohne zu zögern, schleckte mich ab und blieb bei mir liegen bis ich wieder wach war. Beim dritten Anfall waren wir alleine. Plötzlich saß sie vor mir im Bett, kerzengerade, war ganz aufmerksam, wollte nicht gestreichelt werden. Ich wunderte mich. Nach wenigen Minuten bekam ich einen Anfall. Seitdem warnt sie mich vor jedem Krampfanfall, inzwischen sogar 10 Minuten vorab.

Mein Hund lernte sehr schnell und zeigte große Eigeninitiative.

Bereits als Welpe bekam sie einen nächtlichen Asthmaanfall mit. Sie kam zu mir und legte sich an meine Brust. Abgesehen von unseren Spaziergängen, Hundekontakten, schlief und ruhte sie sehr viel, ohne, dass ich das konditionieren musste und sie beobachtete alles ganz genau. Aufgrund ihrer großen Eigeninitiative – sie brachte mir plötzlich ohne Training mein Asthmaspray – wartete ich nicht länger und begann das Assistenzhundetraining.

Blick von außen: Unterstützung durch einen Hundetrainer

Mittlerweile habe ich einen Hundetrainer gefunden, der zu uns passte und mich bei bestimmten Themen unterstützt. Bei der Selbstausbildung ist es wichtig, hin und wieder jemanden an meiner Seite zu haben, der mein Handeln auch mal kritisch hinterfragt und mir ehrlich Feedback gibt. Inzwischen lerne ich das mitzunehmen was mich weiter bringt, mir aber nicht jeden Schuh anzuziehen. 

Zwischen den Stühlen

Es ist nicht immer leicht eine Hundehalterin zu sein mit einer engen Bindung zu ihrem Hund und gleichzeitig Hundetrainerin, Managerin des eigenen Hilfsnetzwerks und manchmal sogar ein Pflegefall. Auch für die Menschen, die mich unterstützen, meine Assistenten und Hundetrainer ist es nicht einfach. Ich werde sehr schnell entweder unter- oder überschätzt. Mir helfen da immer Auszeiten, um mich einzig und allein auf June und mich zu konzentrieren, wieder auf mein Bauchgefühl zu hören und meine eigene Kraft zu spüren. 

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Einen kreativen, selbstständigen Hund in die richtigen Bahnen zu lenken

Ich wollte einen kreativen und selbstständigen Hund und ich bekam ihn. Nun ist es meine Aufgabe, ihn in die richtigen Bahnen zu lenken. June soll und darf ein kreativer, selbstständig denkender Hund bleiben und dahin gehend habe ich sie immer gefördert. Aber natürlich gibt es auch Grenzen.

Methodenvielfalt ist mir wichtig.

Deshalb bin ich für die Methodenvielfalt in der Ausbildung. Lasse ich June nur Freigeist sein, wird sie ihr Territorium und mich beschützen, was sich absolut nicht mit den Anforderungen an einen Assistenzhund vereinbaren lässt, nicht einmal, wenn sie „nur“ als Familienmitglied mit mir und meinen Handicaps leben würde. Die größte Bedeutung hat für mich, das Ziel niemals aus den Augen zu verlieren und dabei Junes Persönlichkeit zu kennen, auf ihre Bedürfnisse einzugehen und mit meinen Bedürfnissen abzugleichen.

Die Anforderungen an einen Assistenzhund sind hoch.

Die Anforderungen an einen Assistenzhund sind sehr hoch und mit keinem anderen Diensthund oder einem Familienhund zu vergleichen. Es ist eine Gratwanderung zwischen dem Anspruch, den Hund, Hund sein zu lassen, ihm ausreichend Freizeit, Ausgleich und Schlaf zu geben und den Hund seine Arbeit gewissenhaft und höchst konzentriert machen zu lassen.

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Wir haben schon so viel erreicht.

June ist jetzt mitten in der Pubertät, 1,5 Jahre alt und war vor zwei Monaten das erste Mal läufig. In vielen ihrer Aufgaben ist sie bereits absolut zuverlässig. Wir genießen unsere Freizeit und ruhen beide sehr gerne. Auch wenn ich manchmal Momente habe, in denen ich denke, dass die Aufgabe wirklich groß ist, bin ich unglaublich stolz auf June und mich und was wir schon alles geschafft haben. Sie hilft mir bereits jetzt so sehr und bereichert meine Leben ungemein. Wenn June soweit ist, dann werde ich sie unabhängig prüfen lassen.

Was ich mir wünsche: Ein besseres Miteinander in der Assistenzhunde-Szene!

Darüber hinaus wünsche ich mir eine bessere Vernetzung zwischen Hundetrainer*innen, Hundeschulen und Assistenzhundezentren für ein besseres Miteinander und für Methodenvielfalt. Damit könnte auch eine einheitliche gesetzliche Regelung bzgl. der Prüfung von Assistenzhunden und Zutrittsrechten für die Betroffenen erreicht werden.

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Assistenzhunde in Südbaden

Daran arbeitee ich selbst aktiv mit und habe u.a. eine Facebook-Gruppe gegründet, in der ich viele wichtige Informationen zum Thema Assistenzhunde in der Region Südbaden für Hundetrainer*innen und Assistenhundehalter*innen kostenlos zur Verfügung stelle. Wenn du dich für Epilepsiewarnhunde interessierst, dann tritt der Gruppe bei und vernetze dich mit mir. Zur Gruppe gelangst du, indem du auf den roten Button klickst.